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Unsere „Krisenbegleitung“

Von der Krise zur selbstbestimmten Persönlichkeit

„Ich krieg ne Krise.“ Diesen Satz hat wohl schon jeder einmal von uns gesagt oder zumindest gehört. Doch was meinen wir damit eigentlich? Dass mir gerade alles zu viel wird? Dass mir gerade alles über den Kopf wächst? Dass ich mich unwahrscheinlich aufrege über das, was da gerade schief läuft? Zumindest in einem Punkt sind sich wohl alle einig: eine Krise ist nichts Wünschenswertes oder gar Positives.

Als Krise bezeichnet man per Definition eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation. Es gibt Wendepunkte in unserem Leben, in denen wir schlichtweg nicht in der Lage sind, genau diese Entscheidungen zu treffen – weil wir gelähmt sind.

Auch Kinder durchlaufen in ihrer kleinen Welt bereits Krisen, die ihr Leben kräftig durcheinander rütteln. Uns ist allen bewusst, dass der Verlust eines nahestehenden Menschen oder die Trennung der Eltern Kindern den Boden unter den Füßen wegzieht. Aber auch eine Freundschaft, die „kriselt“, Probleme zu Hause, schlechte Noten, Prüfungs- und Versagungsängste oder Schulangst können Kinder unter Umständen in eine Krise stürzen, die sich negativ auf ihr gesamtes Leben auswirkt – und auch Lernen temporär, in besonderen Fällen gar nicht mehr möglich macht.

Wir machen im schulischen Alltag immer wieder die Erfahrung, dass Schüler an einen Punkt kommen, an dem sie mit sich und der Welt nicht mehr weiter wissen. Wie viele Eltern verzweifeln während der Adoleszenzphase  (späte Kindheitsphase über die Pubertät hin zum Erwachsenen) ihres Kindes, speziell wenn die Pubertät einsetzt. Kinder und Jugendliche erleben oft diese Phase als Krise, denn sie wirken orientierungslos und die Hilfe ihrer Eltern lehnen sie oftmals radikal ab! Um unsere Schülerinnen und Schüler in genau diesen Wendepunkten optimal begleiten zu können, haben wir uns dazu entschlossen, eine Ausbildung zum Krisenbegleiter zu absolvieren. Im Gegensatz zum öffentlichen Schulsystem eröffnen unsere kleinen Klassen und die intensivere Beziehung zwischen Lehrern und Schülern hierfür Chancen und Türen:

„Wenn ich dich darum bitte, mir zuzuhören und du dich aber bemühst, mir Ratschläge zu erteilen, dann hast du weder verstanden, worum ich dich gebeten habe, noch was ich brauche.

Wenn ich dich darum bitte, mir zuzuhören und du dich aber bemühst, mir zu erklären, ich dürfte nicht so fühlen, dann trittst du auf meinen Gefühlen herum.

Wenn ich dich darum bitte, mir zuzuhören, und du dich aber bemühst, meine Probleme zu lösen, dann hast du nicht verstanden und du bist weit weg von mir.“ (Betreuungsarbeit der Polizei San Francisco)

In diesen Zeilen steckt im Wesentlichen der Kern der Arbeit eines Krisenbegleiters. Wir wollen unseren Schülern in Krisen ganz bewusst keine Ratschläge geben oder ihre Probleme für sie lösen. Vielmehr werden wir ihnen zuhören, sie an die Hand nehmen und Wegbegleiter sein; ihnen schlussendlich dabei helfen, ihren eigenen Weg durch ihre eigene Krise zu finden. Dies benötigt Zeit und die nehmen wir uns.

Unsere Gesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten einen ungeheuren Wandel erfahren und mit diesem Wandel einen Werteverlust erlitten. Dies ist mit einer der Gründe, warum an unserer Schule die Vermittlung von Werten wie Verantwortungsbewusstsein und Verantwortungs-bereitschaft oder Selbstbestimmtheit eine große Rolle spielen, denn in unserer Aufgabe als Krisenbegleiter ist es durchaus möglich, auch unsere Schülerinnen und Schüler mit einzubeziehen, indem sie beispielsweise lernen, einander zuzuhören, achtsam und einfühlsam für den anderen zu sein, um ihre Mitschülerin oder ihren Mitschüler in seiner „Krise“ anzunehmen und zu unterstützen, sodass es uns als Gemeinschaft am Ende doch gelingt, einer bewältigten Krise durchaus etwas „Positives“ abzugewinnen.

Die Krise ist Chance, die Krise hat Sinn.
Erinnere dich, was wirklich zählt.
Sie beunruhigt dich, sie bricht Altes auf.
Sie stellt dir ganz neue Fragen.
Und wehrst du dich nicht gegen ihren Lauf,
Wird sie dich zu Neuem hintragen.
(Verfasser unbekannt)

Schon allein diese wenigen Zeilen bestätigen uns in unserer Motivation, die Ausbildung zum Krisenbegleiter absolviert zu haben, Wir möchten unseren Schülerinnen und Schülern hilfreich in ihren „Krisen“ beistehen, hilfreich ihnen zur Seite stehen, wenn sie anderen Schülern/Jugendlichen helfen wollen.

Antonia Neubauer und Jasmine Justenhoven